Es gibt nur wenige Ort auf der Welt, die dem überwältigenden Ausmaß der Bauwerke von Angkor das Wasser reichen können. In Südostasien ist es eines der archäologisch bedeutendsten Fundstätten. Das Gebiet, das neben zahlreichen Tempelanlagen und Überresten der verschiedenen Hauptstädte des Khmer-Reichs des 9. bis 15. Jahrhunderts auch dichte Wälder beherbergt, breitet sich auf einer Fläche von über 400 Quadratkilometern aus. Zur Erkundung der zahlreichen Ruinen benötigt es mehrere Tage – planen Sie also genug Zeit ein, um Angkor in aller Ruhe besichtigen zu können.
Angkor liegt im Norden von Kambodscha, knappe 250 Kilometer nordwestlich der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh und nur fünf Kilometer nördlich von Siem Reap sowie 20 Kilometer nördlich des Tonle Sap Sees. Besonders bekannt sind die Tempelanlage Angkor Wat und die alte Hauptstadt Angkor Thom mit dem Staatstempel Bayon.
Seit dem Jahre 1992 zählt Angkor zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die UNESCO setzt sich für den Schutz der Ruinen und ihrer Umgebung ein.
Die beste Reisezeit für Angkor ist von November bis Februar, da es während dieser Monate für Kambodscha relativ kühl ist und kaum Regen fällt. Da in dieser Zeit die Hauptsaison für Besucher der Tempelanlagen ist, kann es sehr voll mit Touristen werden. In der Nebensaison hingegen trifft man auf weniger Besucher, muss jedoch mit Regen und hoher Luftfeuchtigkeit rechnen. Weitere Infos zur Reisezeit können Sie bei Siem Reap nachlesen.
Geschichtlichen Rekonstruktionen zufolge erreichte die Gegend von Angkor im 10. Jahrhundert unter König Yasovarman I einen wohlhabenden Status. Aufgrund der Anlage von diversen Bewässerungsanlagen gelang es der Bevölkerung höhere landwirtschaftliche Erträge zu erzielen, was zu genügend Nahrung und daraus folgend Macht führte. Die Khmer ergriffen diese Chance und bauten Tempel und große Städte. Unter König Suryavarman II. weitete Angkor sein Einflussgebiet sowie seine Macht durch Kriege gegen seine Nachbarn aus. Er lies neue Tempel in Angkor – darunter auch Angkor Wat – errichten und so war der Grundstein für das große Reich Angkor gesetzt.
Angkor Wat
Die Tempelanlage Angkor Wat ist im Gebiet von Angkor wie auch weltweit eine der größten religiösen Stätten und bis heute einer der am besten erhaltenen Tempel in der Region von Angkor. Sie wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts von König Suryavarman II. erbauen lassen. Es wird davon ausgegangen, dass dem König Angkor Wat als Tempel wie auch als Mausoleum dienen sollte. Der Erbauer Suryavarman II. gehörte dem Vishnuismus an und so war Angkor Wat anfangs eine Verehrungsstätte des Gott Vishnu. Erst zu einer späteren Zeit – gegen Ende des 13. Jahrhunderts – als unter Jayavarman VII. der Theravada Buddhismus Einzug ins Land gewann, wurde Angkor Wat in einen buddhistischen Tempel umgewandelt.

Das äußere Erscheinungsbild von Angkor Wat zeichnet sich durch fünf Türme (Prasat) in Form von Lotusblüten aus. Zuerst entstand der zentrale und mit 65 Metern auch höchste Turm. Dieser ist von vier weiteren kleineren Türmen umgeben. Dem Hinduismus zufolge stellt der große Turm den mystischen Berg Meru dar – den heiligen Berg im Zentrum des Universums – wo der Hindu Gott Vishnu wohnt. Die Anzahl fünf stellt die Gipfel des Bergs Meru dar.
Den Tempel umgibt ein 190 Meter breiter Flussgraben, der mit einer Länge (West-Ost) von 1,5 km und einer Breite (Nord-Süd) von 1,3 Kilometern ein Rechteck bildet. Der fast 200 Meter breite Wassergraben diente damals als Schutz vor Eindringlingen, doch stellte er auch gleichzeitig den Weltozean aus der hinduistischen Vorstellung dar. Direkt innerhalb des Grabens steht eine Mauer, die den ganzen Tempelbereich umgibt. Jede Seite hat einen Eingang – der Haupteingang ist nicht wie üblicherweise an der östlichen, sondern an der westlichen Seite. Diese ungewöhnliche Ausrichtung des Tempels deutet darauf hin, dass Angkor Wat von Suryavarman II. als Totentempel erbaut wurde. Denn dies ist die Richtung des Yama – des Gott des Todes.
Besonders eindrucksvoll sind die Flachreliefs an den Wänden, die Szenen von König Suryavarman II. und seinen Kriegszügen sowie des Gotts Vishnu darstellen. Zudem gibt es zahlreiche in Stein gehauene Devatas und Apsaras-Figuren (Tänzerinnen), die den Wat schmücken.
Angkor Wat ist ein wichtiges Nationalsymbol für die kambodschanische Bevölkerung sowie für ihre Khmer-Kultur. Im Land sind überall Abbildungen der Tempelanlage wiederzufinden – so etwa auf den Geldscheinen und der Nationalflagge – doch nicht nur auf staatlichen, sondern auch auf allen möglichen Gegenständen des alltäglichen Lebens.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Angkor Wat, das seit dem 16. Jahrhundert mehr oder weniger unbelebt und von der Natur beherrscht war,
wieder von der überwuchernden Pflanzenwelt freigelegt und restauriert. Heute kann die Anlage von Touristen erkundet werden. Sie sollten sich auf keinen Fall einen Besuch von Angkor Wat im
aufgehenden Sonnenlicht entgehen lassen.
Angkor Thom
Angkor Thom heißt übersetzt so viel wie ‚große Hauptstadt‘ und befindet sich etwa einen Kilometer nördlich von Angkor Wat. Im Mittelpunkt der quadratischen, etwa neun Quadratkilometer großen Stadt, die von einer hohen Mauer und einem hundert Meter breiten Wassergraben umgeben ist, steht der berühmte Tempel Bayon. Die Stadt wurde unter König Jayavarman VII. zu Beginn des 13. Jahrhunderts als neue Hauptstadt des Reichs von Angkor erbaut. Angkor Thom wird durch ein Straßenkreuz in vier gleich große Quadrate unterteilt. Die vier Hauptstraßen beginnen jeweils im mittigen Torturm der Stadtmauer und enden im Zentrum – dem Bayon.
Innerhalb der Stadt lagen einst die aus Holz errichteten Häuser der Beamten, der Priester und des Militärs sowie die Verwaltungsgebäude des Königreichs, von denen längst nichts mehr zu sehen ist. Übrig geblieben sind nur die aus Stein errichteten Tempel und Denkmäler.
Jede der vier etwa drei Kilometer langen Außenmauern, die in die vier Himmelsrichtungen zeigen, hat ein Eingangstor, die Ostmauer hat sogar zwei. Dieser zweite Eingang wird das ‚Tor des Sieges‘ genannt und seine Straße führt zu den Terrassen der Elefanten und des Leprakönigs sowie dem Königspalast. Die fünf Eingangstore sind über 20 Meter hoch und mit vier Köpfen geschmückt, die alle in eine der vier Haupthimmelsrichtungen blicken.
Königspalast
Im Nordwesten von Angkor Thom lagen einst der Königspalast und die dazugehörige steile Tempelpyramide Phimeanakas. Aufgrund der Tatsache, dass während der Erbauungszeit Angkors nur religiöse Stätten, jedoch nicht weltliche Gebäude aus Stein erbaut wurden, ist heute vom wahrscheinlich größtenteils aus Holz erbauten Königspalast nichts erhalten geblieben. Es konnten nur die Grundmauern sowie seine Eingangstore, jedoch keine Informationen über die Gestaltung des Palastinneren ausgemacht werden. Vom Königspalast aus führt die Siegesallee zum Siegestor an der Ostmauer von Angkor Thom und weiter zu der Terrasse der Elefanten, die etwa 350 Meter lang ist und zur Terrasse des Lepra Königs, die etwa sieben Meter hoch ist.
Prasat Bayon
Der Staatstempel Bayon zählt mit zu den bekanntesten Tempeln in Angkor. Er wurde im 12. Jahrhundert von König Jayavarman VII. im Mittelpunkt von Angkor Thom erbauen lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bauten wurde der Bayon von den folgenden Königen immer weiter aus- und umgebaut, was zu seiner Komplexität beigetragen hat.
Einst beherbergte er wahrscheinlich 54 Türme, von denen heute noch 37 erhalten sind. Die Türme sind mit über 200 in Stein gehauenen, meterhohen lächelnden Gesichtern des Lokeshvara (Avalokiteshvara) geschmückt. Viele der Türme haben vier Gesichter, die jeweils in eine der vier Haupthimmelsrichtungen blicken, manche dahingegen haben nur zwei oder drei.
Die Wände sind mit vielen Reliefs geschmückt. Sie zeigen Bilder vom König und der hinduistischen Mythologie, Szenen aus dem Krieg und dem Alltag in Angkor Thom sowie Begebenheiten auf dem Tonle-Sap-See.
Prasat Baphuon
Der Prasat Baphuon ist ein riesiger Tempelberg, der heute in Angkor Thom – 200 Meter nordwestlich des Haupttempels Bayon – liegt. Man erreicht ihn über einen fast 200 Meter langen Steg vom Osttor aus. Auf der riesigen Plattform erhebt sich eine vierstufige Pyramide mit einer Höhe von über 20 Metern. Erbaut wurde er von König Udayadityavarman II. im 11. Jahrhundert für den Hindu-Gott Shiva als Mittelpunkt der Hauptstadt Yasodhapura, die noch vor Angkor Thom an etwa der gleichen Stelle entstand, jedoch ein größeres Ausmaß als diese hatte. Eine Besonderheit von Baphuon sind seine außerordentlichen Reliefs, die vor allem einen Einblick in die hinduistischen Mythen preisgeben. Der über die Jahrhunderte eingestürzte Tempel aus Sandstein konnte nach jahrelanger Arbeit rekonstruiert werden und ist heute wieder in seiner kompletten Größe zu besichtigen.
Einige weitere steinerne Bauten, die sich noch innerhalb von Angkor Thom befinden sind:
Prasat Ta Phrom
Der Tempel Ta Phrom liegt östlich von Angkor Thom und wird auch der ‚Dschungel-Tempel‘ genannt, da die von Bäumen und Pflanzen umwachsenen Ruinen von Archäologen nicht freigelegt wurden – nur einige Wege wurden für Besucher zugänglich gemacht. Ta Phrom zählt mit zu den größten Tempeln von Angkor. Berühmt geworden ist der Tempel aufgrund der Filme, die dort gedreht wurden. So spielte etwa Tomb Raider oder auch Two Brothers in den von Bäumen überwachsenen Tempelruinen.
Berg – Phnom Bakheng
Der fast 70 Meter hohe Berg Phnom Bakheng liegt nur etwa 400 Meter südlich von Angkor Thom. Er hat die Form einer Pyramide mit fünf Terrassen und kann zu Fuß sowie auf dem Rücken eines Elefanten erklommen werden. Von der höchsten Stufe aus hat man vor allem während des untergehenden Sonnenlichts einen überwältigenden Ausblick auf die Tempelanlage Angkor War sowie viele weitere Ruinen von Angkor.
Prasat Preah Khan
Prasat Preah Khan ist ein sehr großer Komplex zwei Kilometer nordöstlich von Angkor Thom, der von Jayavarman VII. erbaut wurde. Einst war Preah Khan nicht nur ein Tempel, sondern wahrscheinlich eine buddhistische Universität, die Heimat von etwa 1000 Lehrern und mehreren zehntausend Bediensteten war.
Prasat Neak Pean
Beim Prasat Neak Poan handelt es sich um einen Turm, der innerhalb eines künstlich angelegten Sees liegt. Dieser ist wiederum umgeben von vier weiteren Seen.
Prasat Banteay Srei
Etwas mehr als 30 Kilometer nordöstlich von Siem Reap befindet sich der kleine Tempel Banteay Srei. Wie ein unwirklich erscheinender Feenpalast steht er inmitten eines dichten Waldes. Seine Besonderheit ist der solide rosafarbene Sandstein, in den seine Dekorationen gemeißelt sind.
Phnom Kulen
Der heilige Berg Phnom Kulen, etwa 60 Kilometer von Siem Reap entfernt, hat eine Höhe von knapp 500 Metern. Von oben lässt sich eine wunderschöne Aussicht genießen. Das Wasser des nahe gelegenen Flusses, der in einen kleinen Wasserfall mündet, wird ebenfalls als heilig angesehen. Kurz unter der Wasseroberfläche liegen zahlreiche Sandsteine, in denen viele Schnitzereien zu sehen sind.
Prasat Beng Mealea
Der Tempel Beng Mealea wurde unter Suryavarman II. erbaut und liegt über 70 Kilometer in nordöstlicher Richtung von Siem Reap.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten die Tempelanlagen und Ruinen von Angkor zu besichtigen. Je nach Entfernung der Besichtigungsstätten werden diese eingeschränkt, doch können während mehrtägiger Erkundungstouren verschiedene Alternativen miteinander kombiniert werden.
Zur Übersicht: Reiseziele in Kambodscha